Ich besitze einen kleinen Handwerksbetrieb, und meine Frau ist Erzieherin. Vor drei Jahren standen wir vor einem Problem, das viele in unserer Stadt kennen: bezahlbarer Wohnraum. Unser Mietvertrag lief aus, der Nachmieter des Vermieters stand schon bereit. Wir hatten zwei Kinder und suchten dringend etwas Neues. Der freie Markt war für uns finanziell eine Sackgasse. Dann kam der Tipp einer Kollegin: “Habt ihr es mal mit einem WBS versucht?” Wir wussten, dass es das gibt, aber der Weg dahin schien uns wie ein undurchdringliches Labyrinth aus Formularen und Wartezeiten. Wir sind ihn trotzdem gegangen. Hier ist unsere Geschichte – und die Lehren, die wir daraus gezogen haben.
Der erste Schritt war, überhaupt zu verstehen, was wir brauchten. Ein Wohngeldschein-Berechtigungsschein, kurz WBS, ist keine Garantie für eine Wohnung. Er ist die Eintrittskarte für einen anderen Wohnungsmarkt. Man bekommt ihn vom Wohnungsamt, nachdem Einkommen und Haushaltsgröße geprüft wurden. Das Wichtigste, was wir lernten: Man sollte sich parallel zur Beantragung schon umsehen. Wir warteten erst den Schein ab und verloren kostbare Wochen. Eine zentrale Anlaufstelle für diese Suche ist die WBS Webseite. Dort werden bundesweit tausende Wohnungen gelistet, die einen WBS voraussetzen. Für uns war das Portal der Dreh- und Angelpunkt. Ohne es wären wir wohl heute noch auf der Suche.
Die drei größten Hürden zwischen Schein und Unterschrift
Papierkram war die kleinste Sorge. Die echten Hürden kamen danach. Erstens: Die Konkurrenz. Auf jede halbwegs passende Wohnung meldeten sich Dutzende, manchmal Hunderte Interessenten. Unser erstes Telefonat mit einer Genossenschaft verlief ernüchternd. “Wir setzen Sie auf die Liste”, hieß es. Eine Liste ohne Ende. Zweitens: Die Lage. Viele WBS-Wohnungen liegen in Neubaugebieten am Stadtrand. Für uns war das ein Problem, weil die Kita und meine wichtigsten Kunden in der Innenstadt waren. Drittens: Die Ungeduld. Nach Monaten der Ablehnungen war die Versuchung groß, die erste Zusage sofort anzunehmen, auch wenn sie nicht perfekt passte. Fast wären wir darauf reingefallen.
Warum Genossenschaften oft die bessere Wahl sind
Wir bekamen Angebote von privaten Vermietern und von Wohnungsgenossenschaften. Am Ende entschieden wir uns für eine Genossenschaft, und ich bereue es keine Sekunde. Der Unterschied liegt in der Grundidee. Ein privater Vermieter mit WBS-Wohnungen ist oft ein Investor, der eine gesetzliche Quote erfüllen muss. Die Genossenschaft gehört im Grunde den Mietern selbst. Das merkt man. Unser Mietvertrag ist unbefristet. Die Miete ist stabil, die Erhöhungen der letzten Jahre waren moderat und nachvollziehbar. Bei Problemen gibt es einen festen Ansprechpartner, keinen Callcenter-Dienstleister. Die Gemeinschaft im Haus organisiert Flohmärkte und Grillfeste. Das schafft ein Gefühl von Sicherheit, das mir als Familienvater wichtig ist. Bei einem privaten Anbieter hatten wir das Gefühl, nur eine Nummer in einer Quote zu sein.
Ein realistischer Zeitplan verhindert Enttäuschungen
Wenn ich heute jemandem einen Rat geben müsste, der eine WBS-Wohnung sucht, wäre es dieser: Rechnet mit mindestens einem Jahr. Nicht einer Woche, nicht einem Monat. Einem vollen Jahr. Unser Ablauf sah so aus:
- Monat 1-2: Informieren, Antrag auf WBS beim Amt stellen, erste Sichtung von Portalen.
- Monat 3-5: Aktive, tägliche Suche, dutzende Bewerbungen, viele Absagen, erste Besichtigungen.
- Monat 6-8: Zusage für eine Wohnung, die uns nicht komplett zusagte. Wir lehnten ab. Mutprobe.
- Monat 9-11: Weitere Suche, gefühltes Durchhängen, dann plötzlich zwei ernsthafte Zusagen.
- Monat 12: Entscheidung, Unterschrift, Umzug.
Dieser lange Atem ist nötig. Wer glaubt, mit dem WBS in der Tasche stünden einem die Türen offen, wird bitter enttäuscht. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Man muss sich jeden Tag neu motivieren, die Seiten zu checken, anzurufen, sich vorzustellen. Es ist anstrengend. Aber am Ende lohnt es sich.
Wir wohnen jetzt seit zwei Jahren in unserer Wohnung. Sie ist nicht perfekt. Der Balkon ist kleiner als erhofft, und die U-Bahn ist zehn Minuten entfernt. Aber sie ist bezahlbar, sicher und unser Zuhause. Der Prozess hat uns gelehrt, hartnäckig zu sein und genau zu prüfen, wem wir unser Geld geben. Manchmal schaue ich auf die Mietpreise in unserer Stadt und kann es kaum fassen. Ohne den WBS und den langen Kampf darum, ihn zu nutzen, wären wir wohl weit rausgezogen oder hätten jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Es war der richtige Weg für uns.